"Spotkanie heißt Begegnung - wir lernen für Europa" - Interviews, Begegnungen und allgemeine Vorstellung des Projekts: das alles findet man in dem kurzen Videofilm über das Projekt. Die damaligen AG-Teilnehmer und die Menschen, die das Projekt angefangen haben, sprechen über den Anfang des größten deutsch-polnischen Projekts in der Grenzregion. Auf dieser Seite möchte ich einige Aussagen präsentieren, die den Sinn und Inhalt des Projektes deutlich machen. Die meisten Aussagen sind dann auf der multimedialen Präsentation zu sehen, sowie Impressionen von den Begegnungen, die 1994-2004 stattgefunden haben.

-Dr. Hilde Schramm auf der Konferenz für deutsch-polnische Projekte in S³ubice
-Dr. Dorothea Nöth, Leiterin des Projekts 1996-1999, wissenschaftliche Begleitung des Projektes
-Die Polnisch-AG in Neuenhagen am 01.12.1994
-Janusz Wisniowski, der Leiter Polnisch-AG in Neuenhagen
-Veronika Buschmann, langjährige Leiterin der Deutsch-AG in Kostrzyn
- Dr. Hilde Schramm - ein Gespräch am 17.02.04
- Dr. Hans Broll - Die Eltern helfen mit
- Barbara Bonin, die Leiterin Polnisch-AG in Fredersdorf und Petershagen
- Karl Fisher, Leiter des deutsch-polnischen Gymnasiums in Neuzelle, damaliger Mitarbeiter des MBJS
- Tandemarbeit im Projekt: Sylvia Dudzinski (Gubin) und Jadwiga Polewska(Peitz)
- Familie Kosiñski aus Gubin - Die Eltern helfen mit
- Alicja Kierska, die Schulleiterin in Górzyca, im Projekt seit 1995
- Dr. Gabriele Stümper, die Schulleiterin der 7.Grundschule in Frankfurt/Oder, im Projekt seit April 1994
- Ma³gorzata Kamiñska, die Schulleiterin der Grundschule Nr. 2 in S³ubice, im Projekt seit 1994
- Jerzy Grabowski, Leiter Polnisch-AG in Frankfurt/O und Müllrose, im Projekt seit 1994
- Tandem im Projekt seit 1994: Iwona Wadas(Booßen) und Angela Vetter (Rzepin)
- Jenny Klette, das Mädchen aus dem Foto (Eisenhüttenstadt)
- Falk Hamhalter, Leiter Deutsch-AG in Kunowice und Golice, im Projekt seit 1995
- Dr. Lech Sa³aciñski, Civilitas-Verein in Zielona Góra
- Ma³gorzata Swierkowska, Leiterin Polnisch-AGs
- Maren Ernst, Leiterin des Projekts seit 2000

Dr. Hilde Schramm, die Leiterin der RAA Brandenburg in den Jahren 1992-1999, die Leiterin des Projektes in den Jahren 1993-1996

...Wir haben 1994 angefangen, mit einer Vorlaufphase, unter sehr schweren Bedingungen. Das Ministerium hat uns immer unterstützt, aber so ein Projekt ist teuer und wir brauchten noch andere Gelder. Die Bosch-Stiftung hat uns unterstützt, die Stiftung aus Siegen "Demokratie im Alltag" und auch die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit. Wir habe sehr gekämpft, das Projekt aufrecht erhalten zu können, es war manchmal am Abkippen aus finanziellen Gründen, aber die Vorlaufphase war unbedingt notwendig, weil zu Beginn sehr schwierig war, motivierte Lehrer zu finden, die nach Polen fahren, um dort zu unterrichten und auch sehr, sehr schwierig war, deutsche Kinder zu finden. Das war zunächst in den Schulen nicht das große Verständnis, sondern eher das Erstaunen und oft die Aussage: "Aber das interessiert doch keinen, ihr werdet doch keine Kinder finden, die Polnische lernen wollen. Sie wollen Englisch lernen, sie wollen Französisch lernen, sie wollen Sport machen, aber wer will schon Polnisch lernen?" Um diesen Widerstand zu durchbrechen und dann auch langsam Schulen, Eltern, Lehrer zu finden, die dabei bleiben, da brauchte man wirklich ungefähr zwei Jahre...
(S³ubice, September 1998)zurück

Dr. Dorothea Nöth, die Leiterin des Projektes in den Jahren 1996-1999, sie führte im Projekt die wissenschaftliche Begleitung in Kooperation mit der Universität Viadrina in
Frankfurt (Oder) durch
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... Fast noch wichtiger als die Sprachkenntnisse ist das Sprachgefühl der Kinder. Die deutschen wie die polnischen Kinder haben das Gefühl, sich in der neuen Sprache verständigen zu können. Sie fühlen sich sicher, sie haben keine Angst vor einer Begegnung mit den Kindern des Nachbarlandes, mit den Erwachsenen des Nachbarlandes. Sie sind davon überzeugt, das schaffen wir. Wir können das sprachlich meistern.
Diese Überzeugung geht weit über die tatsächlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten hinaus, wenn man diese nur misst mit dern herkömmlichen Methoden der Sprachtests. Entscheidend ist, dass die Kinder tatsächlich in der Lage sind, durch nonverbale Mittel zu kompensieren; dass sie in der Lage sind, eine Konversation weiter zun führen, auch wenn es Missverständisse gibt, dass sie nicht resignieren, dass sie nicht aufgeben. Und gerade diese Kompetenz ist von ganz großer Bedeutung in einer Grenzsituation.
D
enn sie gewährleistet, dass das Verständnis gesichert ist. Und zwar nicht nur das sprachliche Verständnis, sondern auch das grenzüberschreitende Miteinander. Insbesondere ältere Schüler, Erwachsene, haben oft Angst, Menschen zu begegnen, mit denen sie nicht sprechen können, haben Angst, dass sie die Situation nicht bewältigen können. Diese Ängste fehlen den Kindern, sie haben einfach die Erfahrung gemacht, wir können trotzdem etwas miteinander tun (...) Und das ist ein Erfolg im Bereich des Spracherwerbs, der uns ganz besonders wichtig ist...
(Berlin, 03.02.2004) zurück

Neuenhagen "Hans Fallada Schule", Ausschnitte aus dem Interview für den Bayerischen Rundfunk, 01.12.1994

BR: Könnt ihr mir sagen, warum ihr das macht, warum ihr euch entschieden habt, Polnisch zu lernen?
Franziska: Ich wollte eigentlich, weil es Spaß macht und weil es nichts kostet. Das war alles kostenlos, was wir gekriegt haben.
Ramona: Ich wollte meine Tante in Polen schreiben. Und wenn ich wieder dahin fahre, möchte ich mich mit ihr unterhalten.
Anne: Ich wollte, weil es mir Spaß macht.
Franziska: Wir haben in der dritten Klasse angefangen, kurz vor den Ferien.
Ramona: Nächste Woche fahren wir doch nach Polen.
BR: Habt ihr da eine Partnerschule oder fahrt ihr so?
Marlis: Na ja, da sind doch polnische Kinder, die lernen Deutsch und wir lernen halt Polnisch.
BR: Und ihr könnt mit den schon mal sprechen...
Marlis: Nur ein bisschen...
Franziska: Versuchen wir..(..:)
BR: (...) Aber es macht euch auf alle Fälle Spaß. Das ist die erste Sprache außer Deutsch?
Franziska: Na ja, ist ganz schön schwer, aber es macht auch Spaß.
BR: Warum ist es schwer?
Claudia: Die Aussprache.
Franziska: Also man denkt, das sind Zungenbrecher, meistens viele Selbstlaute hintereinander und das ist schon schwer.
Claudia: Im Deutschen ist es nicht so.
Marlis: Im Polnischen sind irgendwie so tsch...und ksch und so...Da schlägt die Zunge mal dreimal vorwärts und eine Schraube rückwärts
Franziska: Ja, ich und Marlis, wir haben die Zahnspange, ich habe meine herausgenommen...
BR: Aber man gewöhnt sich daran im Laufe der Zeit ...(...) Also ich wünsche euch viel Spaß, wenn ihr nach Polen fahrt. Und ihr wollt auf alle Fälle weiter machen?
Kinder: Ja, unbedingt.
Neuenhagen, 01.12.1994 zurück

Neuenhagen "Hans Fallada Schule", Ausschnitte aus dem Interview für den Bayerischen Rundfunk, 01.12.1994

BR: Jetzt möchte ich wissen, wie das Wort ausgesprochen wird. Spotkanie?
Janusz Wisniowski: Spotkanie. Spotkanie heißt Begegnung. Spotkanie ist eigentlich der Grundgedanke des Projekts. Im Hintergrund ist die Sprache. Deshalb lege ich auch keinen Wert darauf, wenn jemand etwas vergessen hat oder nicht gelernt hat. Es geht darum, dass man mit der Sprache als Werkzeug den anderen Kindern begegnet. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Begegnungen stattfinden. Die beste Theorie in diesem Klassenraum ersetzt nicht diese Begegnungen...
Neuenhagen, 01.12.1994 zurück

Veronika Buschmann, seit April 1994 die Leiterin Deutsch-AG in Kostrzyn

- Hat dieses Projekt die Auswirkung auf das Schulklima in Kostrzyn?
- Ja, das ist was Besonderes. Die anderen Kinder, sie kommen häufig, manchmal etwas frech, sie reißen die Tür auf und rufen auch mal "Schei...!", weil sie dir sagen wollen, dass sie auch Deutsch können. Sie wissen aber alle: da ist jetzt Deutschunterricht und die lernen jetzt Deutsch. Ja, sie kommen und gucken. Es kommen aber auch viele und sagen: "Guten Tag!" das bedeutet: Guck mal, ich kann auch etwas! Und sie wollen dir etwas auf Polnisch sagen. Einige wollen mir klar machen, dass sie auch mitmachen möchten. Sie sind aber aus der anderen Klasse. Ja, das hat schon seinen Stellenwert. Und wenn die deutschen Kinder mitkommen, zu Tagesbegegnungen und wir essen gemeinsam Mittagessen im Speisesaal der Schule, dann stehen die anderen Schüler und gucken. Also man kann sagen, das ist schon ein Ereignis für sie..
- Warum funktioniert das Projekt so gut?
- Das Geld spielt mal auch eine Rolle. Schließen wir aber das Geld aus. Wenn wir uns jetzt anschauen, wer alles dabei ist, das sind das viele, die jahrelang dabei sind. Das ist ein Stamm von Menschen, die das machen, die irgendwie dahinter stehen..., die dafür brennen. Und wir haben auf polnischer Seite ein sehr großes Bedürfnis, die Sprache zu lernen...Du hast eine ganze Reihe der Menschen, wenn du zu den Teamsitzungen kommst, die eigentlich sehr lange dabei sind. Ein Teil hat gewechselt, aber ein Gros auf der polnischen Seite ist langjährig und ich glaube, dass darunter viele sind, die eine innere Verbundenheit mit dem Projekt ausstrahlen. Und das ist der Erfolg.
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Dr. Hilde Schramm, die Leiterin der RAA Brandenburg in den Jahren 1992-1999, die Leiterin des Projektes in den Jahren 1993-1996.

- Wir wollten gar nicht so ein kleines Projekt, sondern wir wollten ein Projekt, das in der Grenzregion auch die Spuren hinterlässt. Fast wie erwartet, ist uns relativ schnell gelungen, worüber ich mich heute noch sehr freue. Deshalb gelungen, weil die Menschen, die Deutschen wie die Polen, die den Unterricht gemacht haben, verstanden haben, dass der Unterricht nicht schulischer Unterricht im traditionellen Sinn sein darf, sondern Spielen und Lernen verbinden muss. Er muss attraktiv sein, weil er Spaß machen soll. Er soll den Kindern die Erfahrung vermitteln, sie können ein Paar Worte, ein Paar Sätze, sie können sie anwenden, durch die Begegnungen, so dass sie Erfolgerlebnisse hatten.(...) zurück

Dr. Hans Broll, Vater von zwei Polnisch-AG-Teilnehmern, langjähriger Begleiter der Begegnungen der Polnisch-AG in der Hans-Fallada-Schule in Neuenhagen (1995-1999)

Haben Sie ihre persönliche Einstellung zu dem Projekt?
- Meine persönliche Einstellung ist immer für Frieden, für Völkerverständigung gewesen, ich möchte sagen, das gilt nicht nur für die polnische Seite, sondern allgemein. Ich bin ein Mensch, der auch ein Teil des Krieges mitgemacht hat, auch das Grauen des Krieges kennen gelernt hat und insofern gehe ich an solch eine Arbeit mit Freude und Spaß und ohne Vorbehalte ran. Die Völkerverständigung ist ein ausschlaggebendes Element dafür, dass die Menschen auch in Frieden zusammen leben können.
- Sie haben sehr oft, fast immer, bei den mehrtägigen Begegnungen mitgemacht. Haben diese Begegnungen ihre Aufgabe erfüllt?
- Ich meine, aus einer Tagesbegegnung kann etwas Festeres, Inneres nicht entstehen. Das ist wie so ein Sportereignis, man lernt etwas kennen, aber nicht tiefgründig genug. Ich halte solche Begegnungen, die mehrtägig sind, als viel inhaltsreicher, wenn sie gut organisiert sind und gleichzeitig auch zum Kennen lernen viel besser geeignet. Insofern würde ich stets begrüßen, dass man solche mehrtägige bzw. auch 14-tägige Begegnungen stattfinden lässt. Natürlich sollten sich die Begegnungen am Anfang auf kurze Zeiten begrenzen, aber später sollte man das ausbauen. Das hat sich bewährt, übrigens in der Arbeit, die wir in der Vergangenheit durchgeführt haben...zurück

Barbara Bonin, die langjährige Leiterin Polnisch-AG in Fredersdorf und Petershagen seit 1994

- Wie sehen die Kontakte mit den Eltern aus?
- Allgemein würde ich die Kontakte mit den Eltern als gut bezeichnen. Sie zeigen Interesse, was die Kindern im Unterricht machen. Sie möchten oft selbst wissen, wie man einzelne Wörter ausspricht. Wenn die Kinder Schwierigkeiten beim Lesen haben, wollen die Eltern dem Kind helfen und fragen. In dem Fall haben ich ein Arbeitsblatt vorbereitet, wo die richtige Aussprache mit den deutschen Buchstaben erklärt wird und jetzt übt die Mutter die polnische Aussprache zusammen mit ihrem Kind.(...) Viele Eltern fragen mich, ob sie an unseren Begegnungen teilnehmen dürfen. Mehrmals waren sie auch dabei und ich würde mir wünschen, dass sie vielleicht mehr mithelfen, aber das schaffen wir mal...zurück

Karl Fisher, Leiter des deutsch-polnischen Gymnasiums in Neuzelle,
http://www.rahn-schulen.de/gymnasium-nz,
damaliger Mitarbeiter des MBJS


- Die Grenze zu Polen ist die schärfste Grenze Europas. Und nach der Wende hat Polen für deutsche Nachbarn überhaupt keine Rolle gespielt...
- Ja, das ging so weit, dass Leute, die in Frankfurt/Oder, oder sonst wo wohnten, noch nie in Polen waren oder keine Lust hatten, nach Polen zu fahren. Und wenn sie in Polen waren, sagten sie: "Das mussten wir zu DDR-Zeiten, jetzt wollen wir woanders hin".(...)Es gab auch gewisse Polenfeindlichkeit oder Polendistanz bei den Deutschen, vor allem bei den einfachen Leuten. (...) Insofern war auch bei den Lehrern erst eine Distanz. Sie haben nicht gesagt, sie wollten das nicht, sondern die Eltern wollen das nicht. Und dann gab es die ersten Schulen mit Erfolg, mit Dorothea Nöth, die damals das Projekt als Projektleiterin engagiert vorangetrieben hat. Und dann haben die Lehrer bemerkt, es gibt Erfolge und die Eltern sind auch positiv eingestimmt. Insofern hat sich das "Spotkanie"-Projekt mit allerdings viel mühsamer Arbeit und mit ganz vielen Veranstaltungen in diesen vielen Schulen auf jeder Seite durchgesetzt. Das war schon ein sehr großer Erfolg...
(...) Es gibt große Erfolge, wenn man das mit dem Anfang vergleicht aber der dramatische Durchbruch ist noch nicht passiert. Noch nicht, so wie in dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet, dass Niederländisch ist doch in vielen Schulen doch selbstverständlich ist. Das ist nicht passiert, sondern das beschränkt sich auf die ursprünglichen deutsch-polnischen Projekte und jetzt allerdings noch zwei, bzw. drei neue Pflänzchen.(...) zurück

Sylvia Dudzinski und Jadwiga Polewska - Tandemarbeit ist die Voraussetzung bei den Begegnungen

Sylvia Dudzinski:- Ich denke, es ist wichtig, dass man mehrtägige Fahrten macht und auch eintägige Fahrten. Bei den mehrtägigen Fahrten können sich die Kinder besser kennen lernen. Man kann richtig schöne Sprachspiele durchführen, so dass die Sprache gefördert wird. Aber auf der anderen Seite, denke ich, ist es wichtig, dass man bei den eintägigen Fahrten den Kindern die Schönheit von Polen und die Schönheit von Deutschland zeigt. Dass sie auch das mal sehen, dass die Vorurteile weggenommen werden: "In Polen ist der Bus sowieso kaputt, damit fahren wir nicht und in Polen sind die Betten kaputt, wenn wir uns rauflegen". Und ich glaube, solche Vorurteile gibt es so gut wie nicht mehr, denn man merkt, dass immer mehr deutsche Kinder nach Polen kommen.
Jadwiga Polewska:- Es ist manchmal so, bei den Erwachsenen gibt es noch gewisse Vorurteile und wir versuchen, diese Vorurteile abzubauen, in dem wir ihnen zeigen, was wir in der AG machen. Ich bin der Meinung, es ist wichtig die Ergebnisse der AG-Arbeit zu präsentieren, z.B. als Fotos. Die Eltern haben dann einen Einblick in diese Arbeit: Aha, mein Kind war da, das hat es gesehen und das hat es gelernt. Immer gibt es bei den Begegnungen einen Sprachunterricht, das ist die Grundlage für neue Vokabeln, die dann lange in Erinnerung bleiben. Nicht desto trotz kommt es auch mal vor, dass die Eltern aus uns unbekannten Gründen sagen: "Mein Kind fährt nicht nach Polen". Es ist selten, aber es kommt vor. zurück

Familie Kosiñski aus Gubin (Danuta Kosiñska, Mateusz Kosiñski, Kacper Kosiñski), enge Zusammenarbeit mit der AG seit 1998

Danuta Kosinska:- Die Gruppe aus Peitz ist eine neue Gruppe. Die erste größte Begegnung fand in Wroniawy statt. Und es lief nicht ohne Probleme. Sie kennen sich noch nicht und sie können noch nicht polnische Vokabeln, um sich verständigen zu können oder überhaupt den Kontakt aufzunehmen. Denn der Kontakt mit der früheren Gruppe aus Guben war wirklich ausgezeichnet. Das hat wirklich Spaß gemacht, den Kindern zuzusehen, wie sie sich verständigen und miteinander spielen. Sie haben sich mit SMS verständigt, Kacper hat auf Polnisch geschrieben und die deutschen Kinder aus Deutsch. Und Kacper musste dann übersetzen, was die deutschen Kinder eingetippt haben.(...)Für den Sprachunterricht haben die Kinder Ordner mit den Arbeitsblättern gehabt. Polnische Kinder auf deutsch und deutsche Kinder auf Polnisch. Und das war wirklich toll. Wir sind damit sehr zufrieden, dass die Kinder daran teilnehmen können. zurück

Alicja Kierska, die Schulleiterin in Górzyca, im Projekt seit 1995

- Wir haben uns zunächst als Vertreter des Kollegiums kennen gelernt und dann kam die Idee, dass alle Lehrer beider Schulen zusammen kommen, erst in Polen und dann in Neuenhagen. Die erste Begegnung fand in Chyrzyno, dem Zentrum für Ökologie und Natur statt, jetzt gibt es da Naturschutzgebiet "Warthemündung". Dieses Treffen war auch sehr spontan, wir haben bei uns die Mittel gefunden, um die Gäste aus Deutschland bei uns willkommen zu heißen und die Bedingungen zu schaffen, dass unsere Gäste die Region kennen lernen. Dazu kamen die Hospitationen des Unterrichts in unserer Schule und auch die Besuche im WOM (Fortbildungs-anstalt für Lehrer), wo die Möglichkeiten der Fortbildung der Lehrer in Polen gezeigt wurden(...)
- Schade, dass die Deutsch-AG-Aktivitäten immer mehr zurück bleiben. Wir wissen gar nicht mehr, wer die Partnergruppe ist und es finden auch keine Begegnungen zwischen den Kindern statt. Soviel ich weiß, passiert das Gleiche auch in anderen Schulen in der Nähe.(...)Ich denke, man sollte einfach ein Treffen aller Schulleiter, die im Projekt sind, organisieren, damit wir als Schulleiter auch wissen, wer dabei ist. Und wenn solche Probleme entstehen, könnten wir sie selbst lösen...zurück

Dr. Gabriele Stümper, die Schulleiterin der 7.Grundschule in Frankfurt/Oder, im Projekt seit April 1994

- Eigentlich hat das sehr viel mit meiner persönlicher Geschichte zu tun. Ich habe von 1966 bis 1970 hier am jetzigen Gymnasium selber Polnisch gelernt. Wir haben damals uns immer gewünscht, dass wir öfter auch mit Polen zusammen kommen können, um die Sprache zu üben. Das ist immer nur einmal im Schuljahr im Sommer in einem Sprachlager gelungen. Und als sich nach der Wende die Möglichkeit bot, langsam Kontakte zu knüpfen, bin ich relativ zeitig von unserem Dezernenten für internationale Beziehungen angesprochen worden. Ich denke, das war schon 1990 oder 1991. (...) Ich habe damals schon mit Malgosia Kaminska Kontakte geknüpft. Im Januar 1994 bekam ich von Hannelore Hiekel das Konzept für dieses "Spotkanie" auf den Tisch. Sie kannte meine Interessen für Polnisch und sie sagte: "Guck dir das mal an! Wie findest du das?" Und ich habe gleich gesagt: "Das ist es!" Das ist das, was man mit Kindern versuchen muss, ohne dass es gleich ein knallharter Fremdsprachenunterricht ist. (...) Ich habe dann Elternbriefe an die Klassen, die in Frage kamen, geschrieben. Die Resonanz war damals sehr groß. Die Elternversammlung, die ich damals durchgeführt habe, war äußerst gut besucht. Es fanden sich auf Anhieb 22 Interessenten, von denen dann einige absprangen und es blieben 16 übrig, also eine optimale Gruppengröße. Und so haben wir angefangen. Im Frühjahr 1994, im April sind wir das erste Mal an der Grundschule Nr 2 in Slubice gewesen. zurück

Ma³gorzata Kamiñska, Leiterin der Grundschule Nr. 2 in S³ubice, Leiterin Polnisch-AG in Frankfurt/Oder seit 1994

- Der Erfolg steckt in den Menschen, die unglaublich engagiert sind und dieses Projekt von allen Seiten unterstützen. Und wenn wir eintägige Begegnungen organisieren, suchen wir zuerst die Mittel bei uns, bei der Schulleitung, bei den Eltern. Hier bekommen wir auch die Mittel. Die Lehrer mögen ihre Arbeit und die Begegnungen brechen die Sprachbarriere zwischen den deutschen und polnischen Kindern. Dazu muss man sagen, dass dank der Projektleitung, die sehr engagiert ist, dieser Erfolg zustanden gekommen ist. Ich meine alle diesen Menschen, die während dieser 10 Jahre erfolgreich im Projekt mitgewirkt haben.
(...) Nur gemeinsame Arbeit und die Begegnungen zwischen den Kindern machen es möglich, dass sie sich ohne Vorurteile treffen. Es gibt auch keine spezielle Belehrungen, wie sie sich drüben zu verhalten haben. Wir gehen einfach hin und arbeiten zusammen. Wir singen zusammen, zeichnen zusammen, spielen zusammen, treiben Sport zusammen, das machen wir alles mit unserer Partnergruppe, alles zusammen..zurück

Jurek Grabowski, Leiter Polnisch-AG in Frankfurt/Oder und Müllrose, im Projekt seit 1994

- Es gibt Probleme mit den eintägigen Begegnungen, wenn die Schule etwas entfernt von der Grenze liegt. Dann ist das schwierig, eine eintägige Begegnung zu organisieren, weil die deutschen Schulen schneller geschlossen werden, als die polnischen. Dazu kommt das nächste Problem: nicht alle haben am Nachmittag Zeit. Die Kinder haben verschiedene AGs, besuchen nachmittags Musikschulen und es ist wirklich schwierig, alle Kinder von der AG zusammen zu bringen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass eintägige Begegnungen entweder Ausflüge für den ganzen Tag sein sollen, oder man soll in dem Fall sparen und eine mehrtägige Begegnung organisieren. Vielleicht in den Sommer- oder Winterferien, weil sich diese mehrtägigen Begegnungen sehr gut bewähren. (...) zurück

Iwona Wadas und Angela Vetter, die Tandemarbeit im Projekt seit 1994

Iwona Wadas:- Für die Schüler ist das eine sehr interessante Erfahrung sowohl Schüler als auch Lehrer zu sein. Wenn wir uns mal bei den eintägigen, aber vor allem bei den mehrtägigen Begegnungen treffen, sind die Schüler in diesen zwei Rollen. Als Schüler sind sie doch jeden Tag in der Schule. Wenn der Schüler als Lehrer seinem Partner etwas beibringen möchte, muss er das schon richtig machen. Wir machen die Schüler darauf aufmerksam, dass sie auch mal loben, dass ihre Bemerkungen höflich sein sollen, dass sie ihre Partner mit Gefühl und Geduld verbessern, dass sie ihre Rolle als Lehrer am besten spielen. Das, was wir selbst im Unterricht machen, sollen sie auch tun. Und das begeistert die Schüler, sie freuen sich immer wieder darauf. Wir sind überzeugt, dass das Tandem-Lernen die beste Methode im Spracherwerb ist(..)
Angela Vetter: - Das ist eine Sache geworden, die ich nicht missen möchte. Ich freue mich jedes Jahr, wenn ich meine Stunden bestätigt bekomme, wenn wir weiter machen können. Ich bin dankbar dafür, weil das im Gegensatz zu meinem schulischen Alltag etwas Anderes ist. Es ist immer wieder eine andere Herausforderung. Man weiß nie, welche Bedingungen wir haben. Man wird immer wieder gefordert, aus dem Nichts irgendetwas zu organisieren. Und das reizt mich sowieso, weil ich gern organisiere. Es hatten sich mittlerweile Freundschaften gebildet. Man stellt fest, dass das Projekt nach und nach immer mehr das ist, was es sein soll, weil die Kinder sich wirklich deutsch und polnisch unterhalten...zurück

Jenny Klette, damalige Schülerin in der Polnisch-AG in Eisenhüttenstadt, zur Zeit Schülerin im deutsch-polnischen Gymnasium in Neuzelle

- 1996 wurde das Projekt zum ersten Mal bei uns in der Schule vorgestellt. Dann habe ich mir gedacht: "Na ja, das müsste man machen. Das könnte vielleicht nicht schlecht sein." Dann bin ich dahin gegangen und das hat mir Spaß gemacht. Es gab dabei Spiele und Lieder, diese spielerische Art hat mir einfach gefallen. Und die erste Begegnung war in Lagow. Sie hat mir besonders gut gefallen. Und dann habe ich mir gesagt: "Ich möchte da immer hin. So lerne ich das am besten. Ich kann zwar nicht sprechen, aber irgendwie muss man sich verständigen." Und weil ich immer ehrgeiziger wurde und mir gesagt habe: "Ich will weiter lernen, ich will sie verstehen", habe ich dann immer weiter gelernt und für mich zusätzlich Bücher gekauft.
(...) In der Tandem-Arbeit haben wir versucht, über die Länder zu erzählen. Wir hatten am Anfang viele Fragen über Polen und wir haben mit allen Mitteln: Malen Sprechen, Deutsch, Englisch versucht, den Inhalt rüber zu bringen. Wir haben immer versucht, dieses Kulturelle und Spielerische zu verbinden. zurück

Falk Hamhalter, Leiter Deutsch-AG in Kunowice und Golice, im Projekt seit 1995

- Erstmals ist die Grundidee nicht schlecht: die andere Seite kennen zu lernen, durch Begegnungen. Dann ist die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Kollegen phantastisch. Mit meiner Kollegin Malgosia, das klappt sehr gut und ich denke, in den anderen Partnergruppen wird genauso sein. Das merkt man bei den Treffen der Lehrer. Also auf Grund der guten Idee, sicherlich auch der finanziellen Unterstützung - ohne sie würde auch nicht gehen - und der sehr guten Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Kollegen hat sich dieses Projekt so lange gehalten. Und ich hoffe, es wird sich sicherlich noch eine Weile halten, wenn es fortgeführt wird.(...)
- Es gab einige Fortbildungen, die mir so gut wie nichts gebracht haben, vom Lerneffekt her. Der einzige positive Effekt war es, man hat seine Kollegen kennen gelernt, aber ansonsten vom Lerneffekt gab es einige Sachen, die hätte ich lieber nicht erleben wollen. Es gab auch manche Sachen, die wiederum sehr interessant waren und doch weiter geholfen haben. zurück

Dr. Leszek Sa³aciñski vom Verein "Civilitas", Zielona Góra, der polnische Ansprechpartner im Projekt "Spotkanie"

- Ich beschäftige mich von Anfang an direkt mit dem Projekt "Spotkanie". Mein erster Kontakt war mit Dorothea Nöth, der damaligen Leiterin des Projektes. Sie suchte damals Kontakte mit dem ODN (das Fortbildungszentrum für Lehrer) und weil viele Mitarbeiter des Zentrums gleichzeitig Mitglieder von "Civilitas" sind, kamen wir damals zusammen. Sie suchte einen polnischen Partner im Projekt, einen Verein, der das Projekt in Polen auch finanziell unterstützen sollte. Das ODN durfte es nicht wegen seiner rechtlichen Lage, deshalb kam die Idee, die Kooperation mit dem Verein "Civilitas" aufzunehmen.(...) Wir unterstützen auch die deutsch-polnische Fortbildungen für "Spotkanie"-Lehrer, die abwechselnd in Deutschland und Polen stattfinden. Polnisch und Deutsch als Fremdsprache und der spielerische Unterricht sind unsere Schwerpunkte.(...)
- "Civilitas" ist ein gesellschaftlicher Verein, etwa 20 Mitarbeiter arbeiten in dem Verein ehrenamtlich und führen verschiedene Projekte in ihrer Freizeit durch. Die Mitglieder der "Civilitas" kommen aus allen möglichen Kreisen: Mitarbeiter des Fortbildungszentrums für Lehrer in Zielona Gora, Mitarbeiter der Zielona Gora -Universität, Anwälte, Polizisten, Studenten. Die Projekte, die "Civilitas" durchführt, beziehen sich vor allem auf die gesellschaftliche und interkulturelle Erziehung. Mehrere Projekte fördern Menschenrechte, Demokratie, Bildung, Kinderrechte und ihre Verletzung in der Gesellschaft und Familie. Außerdem werden bei uns typische Bildungsprojekte für die Lehrer durchgeführt, die sich mit solchen Problemen auseinandersetzen möchten.(...) zurück

Ma³gorzata ¦wierkowska, Leiterin Polnisch-AGs, im Projekt seit 1994

- Die mehrtägige Begegnungen sind sehr wichtig, weil sie den Kindern die Möglichkeit geben, gemeinsam den Alltag zu erleben, d.h. gemeinsame Spiele, gemeinsame Mahlzeiten etc. Sie wollen einfach viel voneinander erfahren und versuchen miteinander zu sprechen. Das, was sie im Unterricht erfahren haben, findet am Alltag die Anwendung. Die Grundfragen können sie selbst stellen: Wie heißt du? Wie alt bist du?...Bei solchen Formulierungen wie: Möchtest du mit mir im Zimmer zusammen wohnen? Kannst du Karten spielen? Gefällt dir Ania? Ist das deine Freundin? etc. bitten die Kinder ihre Lehrer um Hilfe.(...) Dieses Projekt bietet das, was die anderen Projekte dieser Art nicht bieten: den Kontakt mit Native-Speaker, dem ausländischen Lehrer, der seine Heimatsprache unterrichtet und somit die beste Voraussetzungen schafft, die Fremdsprache kennen zu lernen.(...) Dank den Begegnungen lernen die Kinder das Nachbarland kennen und zwar nicht nur die Geschäfte und Tankstellen. Auch die Einstellung der deutschen Eltern hat sich positiv geändert. Sie lassen jetzt ihre Kinder ohne Vorbehalte an den mehrtägigen Begegnungen teilnehmen. zurück

Maren Ernst, Leiterin des Projektes seit 2000

- Der Durchbruch ist in den letzten Jahren innerhalb des Projekts gelungen, weil sich das Projekt an den deutschen Schulen etabliert hat und wir konnten die Teilnehmerzahlen auch konstant halten. Im Jahr 2003, nachdem Englisch flächendeckend im Land Brandenburg eingeführt wurde, sind die Kinder trotzdem zu ihrer Spotkanie-AG gegangen. Das ist ein enormer Erfolg für die deutsche Seite. Und damit habe ich eigentlich selber kaum gerechnet. Und das ist, denke ich, der beste Ausgangspunkt an dieser Stelle eine bedarfgerechte Förderung weiter zu führen und nach der Grundschule weitere AGs anzubieten für weitergehende Schulen, für Gymnasien, Gesamtschulen, in ausgesuchten Orten, wo der Bedarf eben da ist. Das ist unser nächstes Ziel. zurück

Potsdam, 01.04.2004

Weitere Informationen über das Projekt "Spotkanie heißt Begegnung - wir lernen für Europa" finden Sie auf der CD und natürlich auf der Homepage der RAA Brandenburg e.V.

Die Startseite der CD

Dr. Hilde Schramm auf der Konferenz für deutsch-polnische Projekte in S³ubice
Dr. Dorothea Nöth beim Interview am 03.02.2004
Marlis, Franziska, Claudia und Stefanie beim Interview
Janusz Wisniowski, Leiter Polnisch-AG in Neuenhagen 01.12.1994
Veronika Buschmann arbeitet in dem Projekt seit April 1994.
Dr. Hilde Schramm
Ein Gespräch am 17.02.04
Dr. Hans Broll beim Gespräch in Neuenhagen
Barbara Bonin, Polnisch AG
Karl Fisher
Leiter des deutsch-polnischen Gymnasiums in Neuzelle
Tandemarbeit im Projekt:
Sylvia Dudzinski und Jadwiga Polewska
Familie Kosinski aus Gubin
Alicja Kierska, die Schulleiterin in Górzyca
Dr. Gabriele Stümper, die Schulleiterin der 7.Grundschu-le in Frankfurt/O
Ma³gorzata Kamiñska, die Schulleiterin der Grundschule Nr. 2 in Slubice
Jurek Grabowski, Leiter Polnisch-AGs in Frankfurt/O und Müllrose
Tandemarbeit im Projekt:
Iwona Wadas und Angela Vetter
Jenny Klette, damalige Polnisch-AG Teilnehmerin
Falk Hamhalter, Deutsch-AG in Kunowice
Dr. Leszek Sa³aciñski, der polnische Ansprechpartner im Projekt "Spotkanie"
Ma³gorzata ¦wierkowska, Leiterin Polnisch-AG, im Projekt seit 1994
Maren Ernst, Leiterin des Projektes seit 2000
Lehrer im Projekt "Spotkanie"